FREIES MUSEUM BERLIN

 

Cadavre Exquis

Jérémie Martino // 16. Juli - 22. Juli 2010
Marco Reichert // 23. Juli - 28. Juli 2010
Nicholas Kashian // 29. Juli 2010

Das Leben hält uns auf seine Weise dazu an, dieses Spiel heute täglich fortzusetzen.

„Cadavre Exquis“ ist der Name eines Kinderspiels. Ein Spiel, an dem jeder von uns schon teilgenommen hat. Das Leben hält uns auf seine Weise dazu an, dieses Spiel täglich fortzusetzen. Alle Mitspielenden malen auf einen Bogen Papier den ersten Teil eines Bildes. Anschließend werden die Bögen so gefaltet, dass nur noch der letzte Teil als Übergang zu sehen ist. Nun wird der Zettel an den Nachbarn weitergegeben, der oder die malt einen weiteren Teil dazu, knickt das Papier um und gibt es weiter – jeder malt etwas dazu bis das Bild fertig ist. Das fertige Bild ist ein facettenreiches Ensemble verschiedenster Beiträge, das dennoch Sinn stiftet.

Die Ausstellung „Cadavre Exquis“ ist eine Geschichte in drei Kapiteln, ein Triptychon in dem sich drei Persönlichkeiten zeigen. Jérémie Martino und Marco Reichert haben jeweils eine Woche, um ihre Werke auszustellen. Nicholas Kashian wird diese zwei Wochen abschließen und entwickelt gemeinsam mit anderen Künstlern eine Ausstellung, ein Happening für nur einen Abend.
Wie das Kinderspiel ist dieses Ausstellungsprojekt als eine Etüde, ein Mosaik, konzipiert, dass sich aus den Beiträgen der Mitspieler Martino, Reichert und Kashian zusammenfügt. Die drei ausgestellten Künstler nutzen alle das Medium der Malerei, in jeder Ausstellung taucht man in das Herz des künstlerischen Universums des jeweiligen Künstlers ein, der uns seine Sicht auf die Welt, in der wir leben präsentiert.
Jérémie Martino beschreibt eine Welt im freien Fall. Körper fallen, stürzen kopfüber, verlieren sich und setzen dennoch eine große Harmonie frei; mitgerissen von einem wilden Tanz, der vom Rausch des Lebens erfüllt ist.

 

Marco Reichert untersucht in seiner Arbeit welchen Sinn und Status Bilder in unserer Gesellschaft einnehmen. Er greift aus der Populärkultur hervorgegangene Persönlichkeiten auf, indem er sie gänzlich aus ihrem üblichen Kontext löst. Dabei verleiht er ihnen einen befremdlichen, zwischen Lächerlichkeit und Angst schwankenden Charakter. Betrachtet man die Werke von Nicholas Kashian, findet man in seinen Collagen das Bild vom Zerfall der modernen Welt.Die drei Künstler laden uns, jeder in seiner eigenen Manier und mit ganz unterschiedlichen Bildkosmen, dazu ein, unseren Blick auf die Welt zu schärfen. Die Gemeinsamkeit der drei Künstler und ihrer Arbeit  ist die Schöpfung ihrer eigenen Welt durch die Dekonstruktion der unseren. In ihren Vorschlägen verwandeln sie einen zerklüfteten Grund in reiches Land. Alchemie nach Art des Schöpfers.

Kraft und Präsenz der Körper meisterlich behandelt und in ihrer ursprünglichen Energie festgehalten bei Jérémie Martino. Endloses Infragestellen des Bildes und seiner Wirkung auf uns bei Marco Reichert. Ansammlungen, Abweichungen, Verwebungen und Collagen in denen die Realität unserer Welt durch die „Scheinheiligen“ Nicholas Kashians auftritt. Die Ausstellung lädt uns alle dazu ein, selbst in diesem großen Spiel aktiv zu werden.

 

Die Begeisterung für das Spiel entspringt nicht nur den zwischen den Werken schwingenden Korrespondenzen, sondern aus den unmittelbaren Parallelen zu unserem Leben.

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